Spüren Sie den “Zweiklassenstaat“?
Kinder aus armen Familien haben seiner Beurteilung deutlich weniger Chancen auf Bildung, etwa um aufs Gymnasium zu gehen und zu studieren. Deshalb rutschten immer mehr in die Klasse der Niedrigqualifizierten und Geringverdiener mit der Folge höheren Krankheitsrisikos und kürzerer Lebenserwartung. Im Krankheitsfalle leiden sie als Kassenpatienten unter den Auswirkungen der Zweiklassenmedizin und finden auch bei schweren Erkrankungen – wenn überhaupt - selten Zugang zu spezialisierten Ärzten. Auch sind diese stärker von Arbeitslosigkeit bedroht, die Rente fällt später zudem deutlich geringer aus; und im Pflegefall droht ihnen - so Lauterbach - wieder die Zweiklassenversorgung.
Lauterbach kritisiert jedoch nicht nur den Zustand, sondern der SPD-Mann verbindet damit gleich seine eigenen Reformvorstellungen, die er wirksam kund tut. Die Pflegeversicherung bezeichnet er als ein «absurdes System», das Gutverdiener privilegiere und von der Union «ohne Rücksicht auf Verluste» verteidigt werde.
Bei der Ärzteschaft findet sein Buch wenig Gegenliebe. Und erst recht seine „Genossen“ aus der SPD reagieren verärgert bis entsetzt auf Lauterbachs Analyse der Gesellschaft. Einige fragen ihn bereits, ob er selbst glaube, der richtigen Partei anzugehören. «Ich bin in der richtigen Partei», hält er seinen Kritikern entgegen. Ob diese selbst aber in der richtigen Partei sind, lässt Lauterbach denn auf Nachfrage unkommentiert.
Hat sich die Sozialdemokratie selbst zu einem Zweiklassensystem entwickelt oder betreibt Prof. Lauterbach medienwirksam Panikmache … ?
200 Seiten benötigt ein in den eigenen Reihen unbequemer Zeitgeist für den Beweis seiner Theorie vom „Zweiklassenstaat“: Prof. Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter und Gesundheitsexperte des Regierungspartners stellte jetzt in Berlin ein starkes Buch vor.